Werkstattbericht (8): Potentes Werkzeug Google Earth

TRIAKONTA_LogoDerzeit komme ich durch arbeitstechnische Auslastung und akuter Schwierigkeit bei der Konzeption der nächsten Kapitel (Hintergrund) nicht so schnell bei Triakonta/Pandora voran, wie ich gerne würde, vom Bloggen hier ganz zu schweigen. Trotzdem möchte ich hier einen kurzen Werkstatteinblick (mit bunten Bildern!) geben in ein Thema, auf das ich mehr durch Zufall gestoßen bin, das mich inzwischen aber durchaus begeistert: Das Earth-Programm des großen Brillenbruders als sehr hilfreiches Werkzeug bei der Erstellung von Karten, die auf der irdischen Geographie aufbauen.

[Technischer Hinweis: Alle Bilder in diesem Beitrag öffnen sich bei Anklicken größer in einem neuen Fenster.]

 

Am Anfang war das Abenteuer…

Handout Kyra Panagia

Bild 1: Eine Spieler-Karte von Kyra Panagia.

Ursprünglich wollte ich Google Earth nur für einen geographischen Überblick über die aktuell gebrauchten Regionen ausprobieren – z.B. für die Entfernung zwischen den Herkunftsorten der verschiedenen Spielercharaktere sowie die Umrisse und vor allem geschickteste Lage der Insel, auf der das erste Abenteuer am besten stattfinden könnte. Meinereiner verliert sich dabei auch gern mal in Details, wie der Recherche über historische Funde an entsprechenden Orten, die als Inspiration und Verknüpfung mit der bekannten Geschichte dienen könnten, aber das nur am Rande – beim „Weltenbrowsen“ über die Gegend drängte sich schnell die Idee auf, auch Handouts in Form von rudimentär bearbeiteten Screenshots aus GEarth zu erstellen – beispielsweise eine kleine Karte der Insel Kyra Panagia und der plottechnisch relevanten Nordbucht (siehe Bilder 1 und 2).

Handout Nordbucht

Bild 2: Ein Blick auf die Nordbucht.

Ausschlaggebend für Möglichkeit desselben waren die Optionen, alle normalen GEarth-Beschriftungen („Ebenen“ –> „Primäre Datenbank“) auszublenden, so dass allein die Erdoberfläche übrigbleibt, die inzwischen standardmäßig dreidimensional dargestellt wird (was bei meinem ersten Kontakt mit GEarth vor einigen Jahren noch ein eher grobes, optionales Feature war). Als Screenshot in Word eingefügt, etwas aufgehellt, mit verstärkten Kontrasten und einer eigenen Beschriftung macht das durchaus was her, finde ich. Allerdings benötigt man für solche Dinge einen Farbdrucker, denn in Graustufen kommt nicht sehr viel rüber. Was sich von selbst versteht: die GEarth-Anzeigen (Bildherkunft, Koordinaten, Navigationselemente, Logo etc.) sollte man natürlich für ein Handout abschneiden.

Gebiete und Pfade

Bild 3: Gebiete und Pfade in GEarth speichern.

Der nächste Schritt, mehr aus Spaß am Ausprobieren, war das Setzen eigener Markierungen in GEarth, und die Speicherung derselben unter dem vielsagenden Label „Meine Orte“. Zunächst waren das nur die Namen der Inseln, die Ortschaft, der Eingang zur Piratenhöhle, die Lage des Warenverstecks und so weiter, aber selbst bei einem kurzen Szenario, wie wir es als Einstieg gespielt haben, kommen schnell ein halbes Dutzend Marker zusammen – vor allem, wenn man entdeckt, dass man ja nicht nur verschiedene Symbole, sondern auch Pfade und Gebiete (Bild 3) anlegen kann. Sowas kann einem die Abenteuervorbereitung durchaus erleichtern. Gerade auch in Verbindung mit der GEarth-eigenen Entfernungsmessung („Lineal“), durch die auch Reisen etc. sehr gut planbar werden. Denn auf der 3D-Oberfläche werden korrekterweise auch Höhenunterschiede in die Weglänge mit einberechnet, was auf zweidimensionalen Karten nicht wirklich funktioniert. Man bekommt so ein sehr viel besseres Bild von Entfernungen, zumal nicht nur gerade Linien, sondern auch verschlungene Pfade (anhand von Wegpunkten) einfach messbar sind.

… dann kam PandoraKyklos.

Zugegeben, das ist etwas hochgestapelt, aber mir wurde schnell klar, wie „einfach“ im Grunde das ist, was das hervorragende DereGlobus-Projekt aus GEarth für DSA leistet: Ein Overlay, das die Spielwelt des Schwarzen Auges auf GEarth überträgt und dort minutös bis in Details wie Stadtpläne, Geschichte und 3D-Gebäude abbildet. Das ganze ist im Grunde nicht mehr als eine (sehr elaborierte und extrem umfangreiche) Sammlung von Overlays für GEarth – und das ist im Prinzip, wenn man nicht zu hohe Ansprüche hat, relativ leicht von jedermann machbar. Natürlich nicht auf DereGlobus-Niveau, aber auf jeden Fall ausreichend für einen eigenen Überlick über sein Setting, und mit etwas Arbeit auch durchaus als vorzeigbare Grundlage, auf der man z.B. dann Ingame-Karten erstellen kann. Ausgehend von einer eher nebensächlichen Spielerei habe ich inzwischen den Plan, GEarth als durchaus potentes Werkzeug bei der Gestaltung der Spielwelt von Pandora zu nutzen. Dieses „PandoraKyklos“ (so der Arbeitstitel) wird sicher nie das Niveau eines DereGlobus erreichen, kann aber vielleicht später als gute Grundlagen für die Abenteuervorbereitung oder eben auch für die Kartenerstellung durch meine Illustratorin dienen.

Overlay Völker 1300v

Bild 4: Overlay mit Völkern der Welt 1350 v. Chr. Von http://worldhistorymaps.com/.

Als ersten Schritt bei der Konzeption des Settings habe ich nach historischen Fakten über die Epochen gesucht, die ich als ungefähren Referenzzeitpunkt für Pandora ausgeschaut habe – die mykenische Periode und den Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit. An historischen Daten ist uns über diese Epoche nicht sehr viel erhalten – was zum einen an der geringen Verbreitung der Schrift, vor allem aber auch an gewaltigen gesellschaftlichen Umwälzungen (wie die angenommene Wanderung der Seevölker aufgrund der Klimaveränderungen infolge des Ausbruchs des Vulkans von Thera) liegt. Geschichtliche Zeugnisse sind sehr bruchstückhaft, schwierig zu interpretieren und widersprüchlich – ein guter Grund mehr, Pandora als Setting von der irdischen Geschichte zu lösen und diese nur als Inspiration zu verwenden. Diesen Zweck allerdings können verschiedene Quellen durchaus erfüllen, und mit der GEarth-Funktion „Bild-Overlay“ gewinnen Übersichtskarten eine ganz neue Qualität (Bild 4).

Alter Orient 1350v

Bild 5: Der alte Orient um 1350 v. Chr. Von http://www.biblestudy.org/maps/ancient-near-east-empires.html

Insbesondere, wenn man verschiedene Übersichten verschiedener Detailgrade kombiniert, lassen sich Informationen sehr gut visualisieren – indem gleichsam die kleineren, detaillierteren Karten auch zunehmend erst sichtbar werden, wenn man weiter an den Globus heranzoomt (Bild 5). Wie man sieht, werden mehrere Overlays übereinander zusehends unübersichtlicher – auf jeden Fall muss man bei denselben mit dem Transparenz-Feature (bei „Eigenschaften“ des Overlays per Schieberegler verstellbar) arbeiten, sowohl, wenn man die Geographie des Globus dahinter noch sehen will, wie auch und vor allem beim Plazieren derselben auf der Karte – denn Overlays müssen von Hand skaliert und ausgerichtet werden, damit sie an der richtigen Stelle liegen. Das ist mitunter gar nicht einfach und zeigt auch schnell Qualitätsunterschiede und „Fehler“ in verschiedenen Karten auf, die man so findet – wobei mitunter natürlich schwer zu sagen ist, ob z.B. Küstenlinien oder Flüsse nur schlampig verortet sind, oder ob da Informationen über tatsächliche geographische Unterschiede zum gegebenen Zeitpunkt drinstecken. Hinzu kommen natürlich immer noch die kartographischen Probleme der Projektion der dreidimensionalen Erdoberfläche auf eine zweidimensionale Darstellung, aber solche Details müssen uns hier nicht interessieren. Relevant ist nur, dass man mit ein wenig Feinarbeit und einer gewissen Toleranz gegenüber Abweichungen zwischen Karten und Globus die meisten Overlays recht gut auf die Weltkugel bekommt, und je nach Bedarf an- und ausschalten kann.

Detailkarten Griechenland

Bild 6: Mehrere aneinandergestückelte Detail-Overlays. Von gottwein.de.

Ein tolles Feature also – das gleichzeitig auch als Ausgangsbasis für das Plazieren eigener Marker dienen kann. Auf gottwein.de beispielsweise gibt es einen ausführlichen geographischen Index und detailliertes Kartenmaterial zur griechischen Antike, die sich sehr gut als stückelbare Overlays eignen. Hat man sich die entsprechenden Karten besorgt und in GEarth eingepflegt (Bild 6; man beachte: GEarth kommt mit einer nachträglichen Änderung des Speicherortes nicht klar, sobald man eine Overlay-Datei verschiebt, muss man im Programm den Link neu setzen; Position und Größe bleiben aber erhalten), kann man im nächsten Schritt relevante Namen recherchieren und schauen, ob diese in die Spielwelt übernommen werden sollen. Oft können historisch bekannten Fakten auch bereits erste Spielweltfakten inspirieren – beispielsweise, ob eine Siedlung die Kolonie eines entfernten Reiches war, ob sie einen Beinamen hatte oder für irgendetwas überregional bekannt war.

Poleis am Pagasitischer Golf

Bild 7: Poleis am Pagasitischen Golf. Sortierung der Marker nicht vergessen!

Hier ist der nächste Schritt die Auswahl an Symbolen und deren Plazierung auf dem Globus. Nicht vergessen sollte man eine übersichtliche Sortierung seiner Marker (siehe Bild 7) – denn mit der Zeit wird man ziemlich viele davon bekommen, und eine Kategorisierung nach deren Art (z.B. Ortschaften, Gelände, Regionen etc.) trägt nicht nur zur Übersichtlichkeit bei, sondern erleichtert auch die weitere Arbeit damit.

Natürlich lassen sich noch wesentlich mehr Dinge auf der Karte plazieren als Städte und Gebirge; beispielsweise gab es in der Antike in Zentralgriechenland den recht großen Kopais-See, der inzwischen allerdings ausgetrocknet ist. Von einer entsprechenden Overlay-Karte ausgehend lässt sich in GEarth allerdings leicht ein farbiges Polygon erstellen, das dann auch ohne Overlay den See auf der Karte darstellen kann (Bild 8). Merke: Alle Objekte, die in GEarth erstellt werden, werden in die Speicherdatei der eigenen Orte übernommen, bei externen Overlays (wie den gezeigten Karten) ist dies leider nicht der Fall.

Kopais-See als Polygon-Overlay

Bild 8: Der Kopais-See – heute, ausgetrocknet / in der Antiken-Karte / als Polygon-Overlay.

GEarth beim Pen & Paper-Rollenspiel

Soviel einmal zu einem ersten Einblick in meine Arbeit mit Google Earth für Pandora. Generell kann ich das Programm jedem empfehlen, dessen Spielwelt auf der Erde (im weiteren Sinne) basiert – die Möglichkeiten, die mit so einem eigenen Spielweltatlas einhergehen, sind nicht zu unterschätzen. Nicht nur spart man sich aufwendiges Kartenzeichnen, da GEarth die Geographie ja bereits mitbringt, es lassen sich auch gut Notizen zu den selbst gesetzten Markern damit anlegen, so dass man vielleicht am Ende einen veritablen, interaktiven Atlas der eigenen Spielumgebung erhält.

Prinzipiell sind die entsprechenden Dateien („Meine Orte“) einfach exportier- und austauschbar, allerdings möchte ich nicht verhehlen, dass ich mit diesem Feature aktuell noch etwas kämpfe.

Manhattan 3D

Bild 9: Manhattan in 3D

Aber auch für andere Dinge als die Kartierung des eigenen Settings kann GEarth gut dienen – sei es durch die Visualisierung von Schauplätzen mittels Screenshots, was insbesondere in Gebieten mit hohem Anteil an 3D-Modellen ziemlich cool ist (siehe Bild 9) oder zur schnellen Erstellung von Kartenmaterial. Für Rollenspielzwecke kann man natürlich auch Ansichten aus GEarth einfach „zweckentfremden“ und z.B. reale Stadtansichten oder Ruinenkomplexe als Objekte der eigenen Spielwelt deklarieren.

Wenn der Spielleiter Zeit und Lust dazu hat, lassen sich gerade Stadtabenteuer in modernen Settings (von Cthulhu bis Shadowrun; wir haben letzteres auch des öfteren mit einem „Handout-Bildschirm“ gespielt, über den der SL die aktuelle Gegend zeigen konnte) hervorragend mit GEarth begleiten – von der Ermittlung von Fahrtwegen über Eintragung z.B. der Wohnorte der Charaktere bis zu Abenteuerlocations mit entsprechenden Notizen bietet das Tool eine sehr feine Möglichkeit sowohl zur Vorbereitung wie auch zur Nutzung am Spieltisch.

Und wer einen etwas größeren Aufwand nicht scheut, kann, so wie der DereGlobus, auch ganz andere Spielwelten auf die Erde projizieren – man muss dann nur drauf achten, das Grund-Overlay so zu skalieren dass die Maßstäbe und Entfernungen stimmen.

Vielleicht hat Euch dieser Werkstattbericht dazu inspiriert, selbst ein wenig mit Google Earth zu arbeiten – oder macht Ihr das schon lange? Was sind Eure Erfahrungen, habt Ihr austauschbare Dateien mit Euren eigenen Eintragungen oder allgemein Tips aller Art? Lasst uns wissen, was Ihr davon haltet.

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5 Kommentare zu “Werkstattbericht (8): Potentes Werkzeug Google Earth

  1. Daeresh sagt:

    Toller Artikel! Es war mir noch nicht bewußt, daß sich Google Earth so cool für das Rollenspiel nutzen läßt. Das werde ich mir gut merken.
    Kann man sich Deine modifizierten Karten auch als Dritter anschauen? Wenn Du Dein Buch veröffentlicht hast und es dann bei Zeiten auch ein paar Abenteuer für das griechische Setting gibt, wäre es schon Klasse auf Deine modifizierten Google Earth Karten zurückgreifen zu können. Aber das ist jetzt natürlich alles noch ferne Zukunftsmusik.
    Apropos, zu Anfang war ich von dem griechischen Setting nicht so angetan. Nach den bisherigen Artikeln (insbesondere dem Testabenteuer) bin ich aber zu dem Schluß gekommen, daß es doch ein sehr schönes Setting ist. Mir gefällt insbesondere das es in Deinem Griechenland das Mystische gibt.
    Ich freu mich schon auf die nächsten Berichte.

    • RPGnosis sagt:

      Vielen Dank für den freundlichen Kommentar.
      Wenn es denn eines Tages zu einer Veröffentlichung kommt, wäre durchaus mein Wunsch, dass „PandoraKyklos“ frei nutzbar werden soll. Über eine entsprechende Homepage bzw. Forum könnten vor allem auch andere Spieler und Gruppen ihre Modifikationen und zusätzlichen Eintragungen hochladen. Auch an die Gestaltung von bzw. an Bonusmaterial für Abenteuer könnte man in diesem Zusammenhang denken; im Endeffekt wäre mit entsprechendem technischen know-how (aber da schaut’s bei mir eher schlecht aus, z.B. mangels Server für ein eigenes Wiki) auch eine Verlinkung von GEarth-Daten mit selbsterstellten Internetseiten denkbar (so wie die WikiAventurica-Links im DereGlobus), was auch ganz neue Möglichkeiten von Abenteuerformaten bringen würde, insbesondere für sandboxige Szenarien.
      Ich denke, da steckt noch viel Potential drin.

      • Jan sagt:

        Falls du mal ein Wiki brauchst, melde dich gerne bei mir, da lässt sich was machen 🙂

        Wir benutzen bisher die Google Maps Engine für eine Contact-artige Kampagne, was aber nur halbwegs funktioniert. Da kann man z.B. Keine Gebiete markieren, was nervt. Ich werde mir deshalb Google Earth auf jeden Fall dafür mal anschauen. So wie ich Google kenne, kann man seine Marker doch sicher auch per Google Drive teilen oder?

        • RPGnosis sagt:

          Danke für das Angebot, wenn es so weit ist, komme ich – je nach Verfügbarkeit von Christophs Server (und seiner Zeit) – vielleicht darauf zurück.

          „Gebiete markieren“ funktioniert bei GEarth durch das Einfügen von Polygonen, die man beliebig transparent machen kann. Geht recht gut – siehe Bilder 3 und 5 für den Kyklopen-Einflussbereich (rot transparent) bzw. den Kopais-See (nicht transparent).

          Ob’s ein direktes Google-Drive Plugin oder dergleichen gibt, weiß ich nicht, aber man kann natürlich die „Meine Orte“ mit allen eigenen Objekten darin speichern und irgendwo hochladen.

  2. Falk sagt:

    Da unsere Spielrunde leider SEHR analog ist (ansonsten würde ich die gesamte Runde mittlerweile vermutlich über Tablets managen), benutze ich Google Earth nur zum Weltenbau.
    Ich fand es hilfreich, meine eigene Spielwelt über den Google Earth Globus zu legen, um die Größenordnungen der (erdnahen) Klimazonen und dergleichen abzugleichen. Daraus entstand dann eine (wie ich meine) recht glaubwürdige, eiszeitliche Spielwelt.

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