Rollenspieltheorie vs. Rollenspielforschung

Nachdem ich letztens im Interview beim Eskapodcast war und mich dort mit Martin über Rollenspieltheorie unterhalten habe, kamen in den Kommentaren dort einige interessante Anmerkungen, beispielsweise:

Wenn man dann noch meint, das Feld Rollenspiel soziologisch, literaturwissenschaftlich usw. erfassen zu müssen, kann man das in den jeweiligen Fachgebieten tun; den Spieltischen wird das aber wenig bringen.
– (YY)

Schon in der Vorbereitung auf die Aufnahme habe ich auch etwas über die im Titel dieses Beitrags genannten Unterscheidung nachgedacht und möchte hier sozusagen ein wenig „nachreichen“, worin sich Rollenspieltheorie und Rollenspielforschung unterscheiden, sowohl in der Zielsetzung als auch in der Methode. Und vielleicht noch ein paar wenig sortierte Gedanken rund um diese Themen, die für einen eigenen Artikel zu kurz oder unstrukturiert sind.

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[Historie] Samaris

Moritz von der Seifenkiste hat gerade eine interessante Reihe unter dem Label „Historie“ am Laufen, in dem er verschiedene (ur-)alte Rollenspielbücher zeigt. Und da er scheinbar tatsächlich nicht alle Obskuritäten dieser Welt kennt (was mich zwar wundert, aber niemand ist ja perfekt), möchte ich hier eine nur vielleicht knapp drei Dutzend Jahre zu spät erschienene Kurzrezension zu einer ebensolchen zum Besten geben, die ich seit sehr langer Zeit mit meiner Rollenspielsammlung herumschleppe. Warum, weiß ich selbst nicht so genau, aber lest selbst, um einen kurzen Blick in eine weit entfernte Vergangenheit zu werfen und zu erfahren, was man damals so alles publizieren konnte… Weiterlesen

HeXXen 1733: Gedanken vor dem ersten Spiel

Jetzt passiert es doch endlich noch, eine HeXXen 1733-Runde soll demnächst bei uns starten. Die Spielerkonstellation ist etwas schwierig (kleine Kinder verschiedener Haushalte sind zu betreuen), aber gerade da wir vermutlich nur selten zum Spielen kommen, kann ich meine Motivation mal wieder in einen Blogbeitrag stecken, der eh schon lange angekündigt war. Weiterlesen

In aller Kürze: HeXXen 1733 kommt. Gemischte Gefühle.

Am 21.August ist das HeXXen-Crowdfunding gestartet. Auf dieses neue deutsche System habe ich vor mehr als drei Jahren, als es noch ganz frisch war, bereits mit einem kurzen Artikel hingewiesen. Dann ging der Autor Mirko Bader zu Ulisses, man werkelte noch lange Zeit daran rum, und jetzt kommt es bald an die Öffentlichkeit – in einer gecrowdfundeten, überarbeiteten Version. Weiterlesen

„Mit jeder Regel stirbt ein Einhorn“ – Eine Antwort.

Christof hat auf runway61 einen sehr schönen Artikel mit oben genanntem Titel geschrieben, auf den ich hier eine „Gegendarstellung“ bringen möchte. Mit einem weiteren möglichen Baustein auf die Frage, warum style-over-substance-Erzählspiele so erfolgreich sind – und als Neuerscheinungen immer beliebter sein werden als klassische rules-heavy-Systeme. Obacht, der Artikel ist recht lang geworden. Weiterlesen

Werkstattbericht (2): Einfache SRR-Regeln sind schwierig

TRIAKONTA_LogoGerade ist wieder etwas Zeit, um das Triakonta-Regelwerk für das Setting Pandora weiter zu überarbeiten. Und ironischwereise bin ich nun bei dem Teil, auf den ich mich vor einem halben Jahr freute, aber stattdessen beiße ich metaphorisch gesehen immer wieder in die Schreibtischkante. Weil es ziemlich schwierig ist, Regeln zwar komplex und mit viel Spielweltbezug, gleichzeitig aber einfach und schnell in der Anwendung zu designen. Weiterlesen

Spalter, definiere Charakterspiel.

Ingo vom Obskures-Blog hat eine Abrechnung mit einem jungen Artikel von John Wick geschrieben, auch Mad-Kynadalanth kommentiert, und ein Dutzend englischsprachiger Blogger ebenfalls. Der Ausgangsartikel mit dem schönen Titel „Chess is not an RPG: The Illusion of Game Balance“ ist so provokant wie kritikwürdig, in wick’scher Weise unterhaltsam und zeugt dennoch von einem hohen Spalter-Potential, das Falk auf Obskures.de treffend kommentiert: „ernsthaft John? Die 90iger haben angerufen und vermissen deinen Beitrag auf den Schulhofdiskussionen.“

Zwischen den Zeilen von Wicks Beitrag liegen neben einer nicht eben verhohlenen Besserspieler-Attitüde (die diesmal noch gesteigert wurde: „ihr seid nicht mal schlechte Rollenspieler, ihr seid gar keine Rollenspieler!“) aber auch Grundsatzfragen, die man durchaus durchdenken sollte und die vielleicht auch zu ein wenig Selbsterkenntnis führen können. Da ich derzeit ja auch wieder an einer theoretischen Reihe schreibe, möchte ich den Artikel zum Anlass nehmen, mich am „definition war“ zu beteiligen und eine ebenfalls provokante These in den Raum zu stellen: was Wick propagiert, ist vielleicht auch kein Rollenspiel.

Achtung: der Beitrag fällt in die Kategorie „Grant“ und kann deswegen Übertreibungen und Schnellschüsse beinhalten.

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DSA 5 Betaregeln (4) – Kampfregeln

Nach einem ersten Eindruck, den Proben und Fertigkeiten sowie der Generierung und Steigerung von Charakteren sehe ich mir heute die Kampfregeln der DSA5-Beta an. Ich persönlich vertrete ja die These, dass man von den Kampfregeln eines Rollenspiels meist auch auf die Qualität des ganzen Rests der Regeln rückschließen kann – was bei 5Beta leider ziemlich durchwachsen ist. Ich will hier nicht auf alle Detailregeln eingehen (z.B. Reiterkampf), sondern vor allem auf die Grundkampfregeln – denn wenn die schon fragwürdig sind, helfen auch gute Detailregeln nichts mehr.

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DSA 5 Betaregeln (1) – Adieu, „Phantastischer Realismus“!

Das Betaregelwerk für DSA5 ist seit der RPC am Start (kostenloses Regel-pdf und Abenteuer gibt’s hier), und es wird bereits fleissig über die jetzt aus dem Sack gelassene Katze diskutiert. Allein die Teilnehmer im Ulisses-Forum produzieren schon wieder mehr Output, als ich momentan verarbeiten kann, also schau ich mir das Regelwerk doch ganz unvoreingenommen mal selber an, als mich zu lange in Foren rumzutreiben (den Passierschlag und ersten Spielbericht bei Nandurion will ich trotzdem schon mal allen ans Herz legen).

Da vermutlich in der Szene ein großes Interesse vorhanden ist, habe ich vor, mehrere Artikel zu schreiben und die Betaregeln Teil für Teil genauer unter die Lupe zu nehmen. In diesem ersten Part geht’s um meinen allgemeinen Eindruck nach Durchblättern und stichprobenartigem Lesen einzelner Passagen, die mich besonders interessiert haben. Aber obacht, eventuell ist insgesamt etwas mehr Grant drin, als die End-Version dann nach ausführlicher Überarbeitung vielleicht verdienen wird. Weiterlesen

Was im Rollenspiel zu meiden ist – und was nicht. (Karneval der Rollenspielblogs)

Die Zeitzeugin Logo_RSPKarneval_250pxrichtet den Karneval im April aus. Schwieriges Thema, „Tabuzonen“. Damit kann man sich in die Nesseln setzen, was ich mit diesem Beitrag vermutlich bei manchem auch tun werde. Trotzdem denke ich, „dass das mal gesagt werden muss“ – oder „mal wieder“, denn das Problem ist zwar nicht neu, doch die Gegenargumente versinken oft sehr schnell. Weiterlesen

DSA 5. Endlich. Schade.

Es ist soweit, die 5. Edition des Schwarzen Auges ward letztes Wochenende auf der RatCon angekündigt worden. Schon seit langem wurde darüber spekuliert, gewünscht, gewettert und gefleht. Zwar kommen die meisten langzeitlichen DSA-Spieler inzwischen (haha) wohl gut mit DSA 4.x aus, nicht zuletzt durch das Normalste von der Welt, nämlich Hausregeln. Aber sowohl Einsteiger haben sich wohl schwer mit dem Ungetüm getan, ebenso wie etliche Autoren, wie man so hörte – was ziemlich problematisch ist, wenn diese Autoren noch mehr Regeln dazu schreiben sollen. Dabei kamen dann Sachen wie Elementare Gewalten raus, oder Regelstübchen-Aussagen wie die von der verborgenen Blutmagie-Komponente im IGNISPHAERO. Weiterlesen

Schicksalsklinge HD…

Ich bin ein großer Fan der alten Nordlandtrilogie (naja, zumindest der ersten beiden Teile) und habe mir mal überlegt, die Neuauflage der Schicksalsklinge zu kaufen. Dabei habe ich mich auch bewusst bisher nicht wirklich über das Spiel informiert; Marketingsprech und -ankündigungen liegen mir nicht so. Da es nun erschienen ist, bin ich gerade über dieses schöne Gameplay-Video von flinkeworte.de gestolpert. Sagen wir mal so, ich bin einigermaßen schockiert. Einigermaßen deshalb, weil ich insgesamt keine großen Erwartungen hatte, was man da aber sieht, ist tatsächlich ziemlich unterirdisch, weshalb ich nun diesen Impuls-Beitrag schreiben muss… Weiterlesen

RPGnosis – Schon wieder ein neues Rollenspiel-Blog? (Teil 3)

Da ich momentan nicht so viel Zeit habe, kommt erst jetzt der dritte (und voraussichtlich letzte) Teil der Vorstellung des RPGnosis-Blogs. Dieser Beitrag ist weder besonders stringent noch übermäßig faktenschwer und beinhaltet viele persönliche Erfahrungen, verzerrte Urteile und subjektive Fehlschlüsse, also seid gewarnt. Wer ihn trotzdem lesen will, muss entsprechende Punkte aber nicht in den Kommentaren anzukreiden, ich schreibe mir hier einfach nur einige Gedanken von der Seele, die ich momentan nicht in eine bessere Form bringen kann. Weiterlesen

Von Newtons drittem Axiom und Kartoffelbauern

Das ganze Thema ist schwierig, nicht nur das sofortige Erfassen des Sinns der Überschrift. Ich habe länger überlegt, eine mehrteilige, argumentativ-stringente Artikelserie zu diesem Thema aufzulegen, aber letztlich ist mir das momentan den Aufwand nicht wert, denn es geht auch (aber nicht nur) um eine Glaubensfrage, und viele Leute, die Begriffe wie „SIM“ (Simulationismus), „Phantastischen Realismus“ oder „Glaubwürdigkeit/Plausibilität der Regeln“ hören, bekommen unwillkürlich Schaum vor’m Mund. Weiterlesen